Interview mit Nina Reithmeier

Ich freue mich sehr, dass ich die liebe Nina interviewen durfte. Sie ist eine wunderbare und starke Frau, die so viel Lebensfreude versprüht!

Hallo Nina. Nicht alle hier werden dich kennen. Erzähl mal, wer bist du und was machst du?

Mein Name ist Nina Reithmeier und ich bin Sprecherin, Schauspielerin und manchmal auch Sängerin.

Gibt es drei Sätze, die dich beschreiben?

Uff. Zählt das schon als ein Satz?! Waaaah!

Ich habe ein großes Talent mir zu viel Arbeit aufzuhalsen und alle Lücken in meinem Tagesablauf auf jeden Fall vollzustopfen, weil ich so gerne arbeite! Ich liebe meine Familie und kuscheln und habe überhaupt ein großes Herz mit viel Menschenliebe, deshalb kann ich auch schwer nein sagen, wenn mich jemand um Hilfe bittet. Desweiteren bin ich der Typ Mensch, der darüber nachdenkt, dass ich den 3. Satz nicht schon wieder mit „Ich“ beginnen sollte. Aber dann breche ich auch gerne die Regeln, versuche mich antirassistisch, feministisch und klimarettend einzusetzen und sage laut was Sache ist, auch wenn es dafür 4 Sätze braucht. 😉

Es sei dir erlaubt, die Regeln zu brechen. 🙂

Und wie ist das, ist zwischen Familie und Klimarettung noch Platz für das Lesen oder Hören von Büchern?

Ja! Mittlerweile gehöre ich selbst zu den Hörbuchfans und lausche den Kolleg*innen sehr, sehr gerne. Zum privaten Lesen komme ich leider nur noch sehr selten, da ich beruflich bereits so viel lese. Hören, während man andere Dinge macht, ist da einfacher.

Wie kam es denn eigentlich dazu, dass du Sprecherin wurdest?

Während der Schauspielausbildung habe ich erste kleine Radio-Werbespots gesprochen, der Kontakt kam über einen Freund. Nach der Ausbildung habe ich durch Sabine Stiepani, die Frau eines Theaterregisseurs mit dem ich gearbeitet habe, die Rolle einer kleinen Hexe in einer Lesung für den Audioverlag (DAV) bekommen. Sie hat dort Regie geführt und mich gefragt, ob ich Lust hätte. Durch sie habe ich auch (vor 10 Jahren) mein erstes Hörbuch beim DAV bekommen. Und so ging das dann eigentlich immer weiter. Freunde, Kontakte, und „schick mal deine Sachen“…und dann wurde es immer mehr. Die ersten Jahre habe ich parallel zu meinem festen Theaterengagement immer mal wieder ein Buch eingesprochen, seit einem Jahr bin ich selbständig und arbeite momentan fast ausschließlich als Sprecherin. In diesem Jahr habe ich fast so viele Bücher gesprochen, wie in all den Jahren davor zusammen, wofür ich sehr dankbar bin. Und ich danke allen Menschen, die mir die Möglichkeit für den Einsteig gegeben haben.

Das klingt sehr spannend und nach einem langen Weg. Was macht dir am Einsprechen von Hörbüchern denn solchen Spaß?

Das Eintauchen, das Gestalten, das Mitnehmen in Welten, wenn ich das Gefühl habe jetzt bin ich im Flow…und dann natürlich wenn ich merke es hat funktioniert, die Hörer*innen hatten eine gute Zeit.

Das kann ich als Hörerin auf jeden Fall bestätigen. Welches Genre sprichst du eigentlich am liebsten ein? Vielleicht kannst du auch ein paar der bekannteren Bücher benennen, die du vertonen durftest.

Ich kann mich gar nicht auf ein Genre festlegen, letztlich sind der Schreibstil und die Handlung natürlich die wichtigsten Gründe, ob ich ein Buch gerne einspreche, oder nicht. Manche Texte lesen sich leise auch sehr gut, laut gesprochen sind sie aber mit langen Schachtelsätzen, Einschüben oder gespickt mit anderen Sprachen/ Akzenten o.ä. eine echte Herausforderung. Letztlich mag ich die Abwechslung und bin relativ breit aufgestellt. Am häufigsten spreche ich momentan Jugend-Fantasyromane, bzw. „Romantasy“, zuletzt die tolle „Meeresglühen“-Trilogie von Anna Fleck. Ich durfte auch alle Bücher von Nica Stevens einsprechen, angefangen mit der sehr erfolgreichen „Verwandte Seelen“-Trilogie, von der der 1. Teil auch als Hörpiel erschienen ist.
Auch Liebesromane (z.B.„Road Princess“ von Nica Stevens), New Adult („Don’t love me“-Trilogie von Lena Kiefer) und Erwachsenen-Fantasy („Hexenzirkel“-Trilogie) sind in meiner Liste. Ebenso aber biografische Erzählung („Splitterfasernackt“ von Lilly Lindner), Thriller und erzählende Literatur. Am Anfang meiner Karriere durfte ich 2 mit diversen Preisen ausgezeichnete Romane für die deutsche Grammophon vertonen: „Katzenberge“ und „Ambra“ von Sabrina Janesch. Das Hörbuch von „Katzenberge“ wurde sehr gut besprochen und als Hörbuch der Woche bei den Literaturagenten ausgewählt usw. Das hat mich damals total gefreut. Gerne würde ich jetzt, mit meiner größeren Erfahrungen, auch wieder mehr solche Titel übernehmen.

Da kommen mir doch einige bekannt vor. 😉 Wo sprichst du die Hörbücher ein?

In diversen Tonstudios in Berlin. Die Verlage arbeiten meist mit einer Reihe von Studios gerne zusammen und vereinbaren die Termine.

Und wie oft versprichst du dich beim Einsprechen und wie viele Stunden Arbeit stecken in so einem Hörbuch?

Ich arbeite jedes Buch Zuhause mindestens 1x durch. Wichtige oder schwierige Passagen öfter. Mache mir Markierungen, überlege mir Stimmen, lese Passagen laut, um ein Gefühl für den Schreibstil zu bekommen, recherchiere Aussprachen usw. Wie viele Stunden das in Anspruch nimmt – keine Ahnung. Ich habe gern mindest. 2 Wochen vor den Aufnahmen das Skript. Im Studio lese ich zwischen 80 und 120 Seiten am Tag, das ist sehr unterschiedlich je nach Genre und Schreibstil. Auch der Lesefluss/ das Versprechen ist sehr vom Schreibstil (und meiner Tagesform) abhängig. Die Schicht geht im Normalfall von 10-16 Uhr, dann ist die Konzentration und Kraft erschöpft.
Wenn man auch noch die Zeit für die anderen Arbeitschritte wie den Schnitt, das Korrekturhören, den Feinschnitt usw mit einberechnet…. da kommen viele, viele Stunden raus!

Ich stelle mir das wirklich anspruchsvoll vor. Hörst du dir deine selbst gesprochenen Hörbücher anschließend auch an?

Ich höre rein…skippe ein bisschen rum, höre manche Passagen an. Aber um die Hörbücher komplett nochmal anzuhören fehlen mir die Zeit und manchmal auch die Nerven. Selbstkritisch ist mein zweiter Vorname. Ich will aber schon hören, ob manche Stellen so funktionieren, wie ich mir das überlegt hatte…und ich versuche auch immer zu lernen und mich zu verbessern.

Das klingt sehr selbstreflektiert. Was möchtest du deinen Hörern abschließend noch mit auf den Weg geben?

Ich wünsche euch einfach schöne Stunden beim Hören und Wegträumen! Und freue mich immer über euer Feedback. Im Theater bekomme ich unmittelbar mit, ob das Publikum eine gute Zeit hat. Das Hörbuch Aufnehmen kann dagegen recht einsam sein, das ist noch neu für mich. Daher wertschätze ich es sehr, wenn sich jemand die Mühe mache und mir schreibt. 🙂

Vielen Dank liebe Nina! Das Interview war sehr interessant und hat echt Spaß gemacht.

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